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Grundhaltungen

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©Hableitner/Deistler/Ungvari: Führen, Fördern, Coachen. Piper Verlag

©Hableitner/Deistler/Ungvari (2008, S. 70): Führen, Fördern, Coachen. Piper Verlag

Eines jener Bücher, aus denen ich viele praktische Anregungen für das effektive Management von Projekten  ziehen konnte, ist „Führen, Fördern, Coachen“ von Hableitner/Deistler/Ungvari. Das Taschenbuch kostet lediglich 10 EUR, eine sehr gute Investition.

Besonders gut gefällt mir u.a. das Kapitel „Grundhaltungen„. Denn ich bin davon überzeugt, dass eine positive, menschenzentrierte Haltung einen der größten „Hebel“ darstellt, um Potenziale bei Menschen, Teams und Organisationen freizusetzen. Hier ein Vorschlag einer solchen Grundhaltung (vgl. Hableitner/Deistler/Ungvari S. 66ff):

Empathie: Unter Empathie versteht man nicht-wertendes, einfühlendes Verstehen. Denn eines muss uns klar sein: Jeder von uns handelt auf der Basis seines Selbstbildes, das Zeit unseres Lebens durch Erfahrungen „gespeist“ wurde. Wir alle sind bestrebt, unser Selbst immer wieder zu bestätigen. Wenn eine Führungskraft versteht, dass menschliches Verhalten nur die logische Konsequenz unseres Selbstbildes darstellt, dann wird vieles klarer.

Akzeptanz bedeutet die nicht an Bedingungen gebundene Wertschätzung des/der Anderen mit all seinen/ihren aktuellen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Grenzen.

Kongruenz bedeutet Authentizität, Echtheit und Stimmigkeit. Eine kongruente Führungskraft muss nichts vorspielen, die Wort- und Gefühlsebene sind deckungsgleich. Allerdings ist Kongruenz nicht als Aufforderung zu verstehen, immer alles ungefiltert zu sagen, was man denkt oder fühlt. Das, was man sagt, sollte aber „echt“ und ehrlich sein („selektive Authentizität“).

Zutrauen: Mit Wertschätzung akzeptiert eine Führungskraft die momentanen Fähigkeiten. Gleichzeitig traut er/sie aber dem/der Anderen auch zu, dass Fähigkeiten weiter ausgebaut und Potenziale genützt werden können.

Neugierde auf die „Welt“ des/der Anderen: Die subjektive Wirklichkeit unserer Mitmenschen ist gleich richtig oder falsch ist wie unsere eigene. Gute Führungskräfte sind jedoch neugierig, mehr über die „Welt“ des/der Anderen zu erfahren und zu verstehen.

Manche unter Euch werden sich jetzt vielleicht denken: „Das klingt zwar ganz nett, in der realen Welt ist so etwas doch nicht umsetzbar. Da braucht es richtige Manager/innen, keine Sozialromantiker.“ Ich bin der Ansicht, dass die wirklich guten und erfolgreichen Manager/innen eben genau auf der Basis einer solchen Grundhaltung führen! Denn eine menschenzentrierte Grundhaltung zu haben spießt sich nicht damit, in seiner Führungsrolle bei Bedarf auch klare Vorgaben zu machen oder unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

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Written by SH

29. September 2009 um 09:12

Veröffentlicht in Management, Projektmanagement

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8 Antworten

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  1. Dem stimme ich vollkommen zu und zugleich zeigt sich hier ein großes Problem. Denn wie du bereits sagst, handelt es sich hier um eine Grundhaltung und nicht um Fähigkeiten. Ausgehend von der Annahme, dass diese nur schwer änderbar oder imitierbar ist, stellt sich doch folgende Frage. Was passiert wenn diese bei einem Manager nicht vorhanden sind?

    Wie der Titel des Buches vermuten lässt, geht es hier auch um Fördern (und wahrscheinlich auch Fordern), wo würdest du das sehen? Ist das Teil einer Haltung, des Characters oder eher „nur“ eine Fähigkeit?

    Nicolas Kübler

    29. September 2009 at 21:12

    • Hi Nicolas,

      ich bin felsenfest davon überzeugt, dass JEDER Mensch seine Haltung verändern kann. In etwa in dieser Reihenfolge:

      a) Grundhaltungen hinterfragen und ggf. mit Vertrauten darüber sprechen
      b) Entschluss, seine Haltungen zu verändern
      c) Tag für Tag an sich arbeiten

      It’s easy!

      Und: Grundhaltungen sind definitiv KEINE Fähigkeiten. Denn wie gesagt, Jede/r ist dazu fähig, seine Haltungen zu ändern.

      Grüße, Stefan

      S. Hagen

      29. September 2009 at 21:17

      • hi Stefan,

        ich stimme Dir zu, wiewohl ich auch die grenzen dessen sehe.
        oft entstehen dann nämlich erlernte muster, die solange gut wirken, wie es keinen ausserordentlichen stress- oder angstzustand gibt. dann nämlich kommt der „rückfall“ in die ur-muster.

        haltungen (restlos) zu erneuern ist nicht unmöglich. ein weites feld, an dem jeder – sein leben lang – arbeiten könnte.

        gefährlich sind oberflächliche „abkürzungen“.

        sunshine!
        Jan

        Jan A. Poczynek

        30. September 2009 at 00:56

    • @Jan: Dem ist nichts hinzuzufügen.

      S. Hagen

      30. September 2009 at 09:13

  2. Ich stimme auch Jan’s Antwort zu, denn diese passt besser zu meiner bisherigen Erfahrung.

    Stefan, deinen Weg halte ich zwar für richtig, aber ich frage mich, wie groß hier die Auswirkungen in der Änderung der Haltung sind.
    Meine bisherige Erfahrung zeigt, dass es doch eher immer größere Einschnitte im Leben sind, die größere Korrekturen in der Haltung bewirken.
    Hast du andere Erfahrungen gemacht, die einen Menschen bewegt hatten, seine Grundhaltung zu überdenken? Interessant fände ich auch, bei welchem der drei Punkte du das größte Problem siehst.

    Nicolas Kübler

    30. September 2009 at 18:36

    • Hallo Nicolas,

      Du hast sicher recht: Häufig sind es einschneidende Erlebnisse, die uns dazu bringen, unsere Grundhaltungen zu überdenken.

      Aber nicht nur: Ich denke beispielsweise, dass sich Haltungen auch durch gute Gespräche (z.B. in einer Partnerschaft oder im Freundeskreis) ändern können. Beispielsweise kann ich behaupten, dass meine Frau bei mir gewisse Veränderungen bewirkt hat – und umgekehrt ;-)

      Vielleicht noch eine weitere persönliche Geschichte zum Thema: Vor ca. 6 Jahren habe ich mal einen einwöchigen Hypnosekurs gemacht. Hört sich vielleicht mystisch an – ist’s aber überhaupt nicht. Dort haben wir auch autosuggestive Techniken geübt. 1-2 Jahre später habe ich mich mit diesen Techniken dann bewusst auf „Gelassenheit“ programmiert. Anders gesagt: Ich habe an mir gearbeitet. Ich kann nur sagen: Bei mir hat das ENORM viel bewirkt (bzw. gelöst).

      Schlussendlich ist das Thema der Grundhaltungen aber sicher immer ein sehr persönliches und individuelles Thema. Trotzdem glaube ich (auch aus eigener Erfahrung) fest daran, dass Grundhaltungen (oder eine Änderung derer) viel bewirken können.

      Grüße,

      Stefan

      S. Hagen

      30. September 2009 at 18:57

      • gelassenheit ist eine großartige qualität, weil sie – für mich – auch so nahe mit der achtsamkeit verbunden ist. davon halte ich lebensphilosophisch sehr viel.

        Jan A. Poczynek

        30. September 2009 at 22:53

      • Entschuldige für die späte Antwort. Ich bedanke mich für das sehr persönliche Beispiel, da es zeigt, dass viel möglich ist.

        Vielleicht stimmst du mir mittlerweile zu, dass es nicht ganz so „easy“ ist — aber definitiv möglich. Ich denke wichtig für diese Änderung waren folgende zwei Aspekte, über die ich immer wieder bei solchen Themen stoße: „Drive and Determination“. Das heißt du hattest einen Antrieb und die notwendige Entschlossenheit es durchzuziehen.

        Nach meiner Beobachtung fehlen gerade diese beiden Punkte in Fällen, in denen zwar eine Änderung als sinnvoll erkannt wurde, aber eben nicht das von dir genannte ‚Tag für Tag daran arbeiten‘ folgt.

        Nicolas Kübler

        6. Oktober 2009 at 23:22


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