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Warum scheitern Projekte?

with 12 comments

Kürzlich habe ich Euch folgende Frage gestellt:

Was sind die Hauptgründe, warum in Ihrem Unternehmen Projekte scheitern?

Hier das (Zwischen)Ergebnis:

warum_scheitern_projekte

Aus meiner Sicht kein wirklich überraschendes Ergebnis. Im Gegenteil. Es deckt sich verblüffend gut mit den Ergebnissen wissenschaftlich durchgeführter Studien und Befragungen zu den Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren im Projektgeschäft.

Ich möchte zumindest die Top-5 kurz kommentieren.

1) Mangelhafte Projektkommunikation: Ein Klassiker. Die Kommunikationskultur ist in vielen Projekten und Unternehmen einfach immer noch schlecht. Umgekehrt ist eine gute und professionelle Kommunikation DER größte „Hebel“ in Projekten. Übrigens: Ich persönlich zähle auch das Sitzungs- und Besprechungsmanagement zur Projektkommunikation.

2) Schlechte Projektvorbereitung und -planung: Ein weiterer Klassiker. Projekte entstehen häufig unter Zeitdruck oder mit mäßig konkreten Vorgaben und Anforderungen (z.B. aus dem Verkauf oder der Geschäftsleitung). Da ist vorprogrammiert, dass es im späteren Projektverlauf knallt. Übrigens: Planung muss nicht bürokratisch, zeitaufwändig und mühsam sein. Gute, professionelle Planung ist aus meiner Sicht einfach, pragmatisch und vor allem effektiv.

3) Mangelnde Ressourcenverfügbarkeit: Die meisten Menschen arbeiten „teilzeit“ in Projekten – neben ihrer angestammten Funktion im Unternehmen. Dadurch sind Projekte eine Zusatzbelastung, die vielfach zeitlich kaum noch zu heben sind. Die Auswirkungen sind dramatisch: Schlechte Projektergebnisse, enorme Zeitverzögerungen, frustrierte Mitarbeiter und Führungskräfte, verärgerte Kunden. Der Ursprung dieses Problems liegt häufig im nicht vorhandenen Multiprojekt- und Ressourcenmanagement, in einer viel zu optimistischen Planung auf allen Ebenen sowie in der Vorstellung des Managements, dass man den Mitarbeitern nur etwas mehr Druck machen muss, damit sie „spuren“.

4) Zu optimistische Annahmen: Dieser Punkt knüpft nahtlos am letzen an. Ich behaupte, dass zu optimistische Annahmen häufig „von oben“ mit Kalkül und sehr bewusst eingesetzt werden, um die Belegschaft zu mehr Effizienz und Produktivität anzuregen. Ein fataler Irrtum, gerade in diesen Zeiten. Denn es gesamthafte Effizienz kann erst dann entstehen, wenn EFFEKTIV vorgegangen wird („Die richtigen Dinge tun.“).

5) Unklare Rollenverteilung: Projektmanagement wird immer noch hauptsächlich als „Methode“ gesehen, nur kaum als „Organisationsansatz“. Dadurch ist Projektmanagement kaum sinnvoll und strategisch in der Organisationsstruktur und -kultur verankert. Der Konflikt Linie vs. Projekt ist vorprogrammiert und wird durch unklare Rollen noch zusätzlich verstärkt.

Diese 5 Punkte waren in der Umfrage übrigens mit recht großem Abstand vorne (siehe oben).

Was teilweise frustrieren könnte: Wir haben in der Sache kein Wissens- oder Erkenntnisproblem, sondern ein UMSETZUNGSPROBLEM. Denn die Punkte sind ja nicht gerade neu und werden von Praktikern und auch von Wissenschaftlern immer wieder bestätigt. Die Frage muss also erlaubt sein: Warum bekommen wir’s trotzdem nicht hin?

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Written by SH

4. Juli 2009 um 15:20

Veröffentlicht in Management, Projektmanagement, Umfragen

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12 Antworten

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  1. […] aber warum wird es dann nicht besser? Diese Frage hat Stefan Hagen in seinem Blog gestellt und aktuell grafisch ausgewertet. Wie immer findet sich Kommunikation auf Platz 1, gefolgt von Planung und Ressourcen. Nun stellt […]

  2. die Masse an Wissen und Methoden zum Projektmanagement ist inzwischen vielleicht schon Teil des Problems geworden…

    ist mal so ein spontaner ketzerischer Gedanke am Montag…

    Rolf Langhoff

    6. Juli 2009 at 08:36

    • Da könnte was dran sein :-)

      Back to basics, zurück zu den Wurzeln, Rückbesinnung auf das Einfache…

      Stefan Hagen

      6. Juli 2009 at 15:07

  3. Hallo Stefan,

    wie viele Teilnehmer haben denn die Fragen beantwortet? Sprich: Wie allgemeingültig ist denn diese Auswertung?

    Es erstaunt ja schon, dass mangelnde Kommunikation an Nr. 1 steht, obwohl das doch gerade der Punkt ist, an dem man als PL am ehesten selbst drehen kann…

    Christoph

    6. Juli 2009 at 18:30

    • Hallo Christoph,

      die Auswertung basiert auf 452 Antworten, wobei Mehrfachnennungen natürlich möglich waren. Ich schätze mal, dass zwischen 60 und 70 Leute geantwortet haben (die genaue Zahl kann ich leider nicht eruieren).

      Klar ist die Befragung wissenschaftlich gesehen nicht repräsentativ – diesen Eindruck wollte ich auch nicht erwecken. Allerdings decken sich die Ergebnisse wie gesagt sehr gut mit entsprechend fundierten Studien (http://pm-blog.com/2007/09/30/warum-projekte-scheitern-oder-eben-auch-nicht/ ).

      Grüße, Stefan

      Stefan Hagen

      6. Juli 2009 at 18:41

  4. […] scheitern, sagt aber nichts über die Gründe dafür aus. Nun hat Stefan Hagen auf seinem Blog die Ergebnisse seiner Umfrage “Woran scheitern Projekte am häufigsten?” veröffentlicht. Das passt […]

  5. Stefan, Es ist erstaunlich, dass schlechte oder wechselnde Anforderungen nicht als Grund für das Scheitern von Projekten angegebene sind. Vielleicht wurde dies im Kommunikationteil geantwortet? Diese Unternehmen scheinen nicht besonders weit zu sein , da sie kein zentrales PPM-System implementiert haben. Ein solches PPM-System würde ihnen helfenviele dieser Herausforderungen zu überwinden – – insbesondere bei der Verwaltung von Ressourcen, der Verbesserung der Kommunikation und der Formalisierung von Rollen.

    Pradeep Bhanot

    8. Juli 2009 at 16:24

    • Du hast recht, der „Misserfolgsfaktor“ schlechte oder ständig wechselnde Anforderungen fehlt in der Liste. Der Grund ist wohl, dass dieser Punkt nicht zur Auswahl stand (mein Fehler). Ich bin aber Deiner Meinung: Dieser Faktor wäre sicher auch sehr weit oben gestanden in der Liste.

      Ein zentrales PPM System kann helfen, das Projektmanagement in einem Unternehmen wesentlich effektiver und erfolgreicher zu gestalten (mit Betonung auf KANN). Denn ein System alleine macht noch keine reife Projektmanagement-Kultur aus. Entscheidend ist, dass die Menschen in der Organisation auf allen Ebenen den Sinn solcher Systeme (und der dahinter liegenden Systematiken) erkennen. Dann ist das System aus meiner Sicht das „i-Tüpfelchen“, um’s richtig gut zu machen.

      Etwas hast Du noch vergessen: Natürlich meintest Du das zentrale PPM System von CA, Clarity PPM Insights :-))

      Stefan Hagen

      8. Juli 2009 at 16:38

  6. […] Stefan Hagen: Warum Projekte scheitern Andres Heilwagen: Das Umsetzungsdefizit des Projektmanagement Richard Joerges / Project Wizards: Gründe für das Scheitern von Projekten Bernhard Schloß: Scheitern von Projekten: Chaos Report und mehr … […]

  7. […] Für das Management, den Leiter der Vertriebsorganisation, den Projektleiter oder auch für die einzelnen Mitarbeiter besteht der Bedarf einer Art Controlling oder Monitoring, mit dem der Erfolg, die Qualität und die Laufzeit der Kampagnen überwacht und gemessen werden kann. Ein fehlendes Reporting ist auch u.a. ein Grund warum Projekte scheitern können. […]

  8. […] Warum scheitern Projekte? « PROJEKTMANAGEMENT BLOG Aus meiner Sicht kein wirklich überraschendes Ergebnis. Im Gegenteil. Es deckt sich verblüffend gut mit den Ergebnissen wissenschaftlich durchgeführter Studien und Befragungen zu den Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren im Projektgeschäft. (tags: projektmanagement scheitern gründe 2009) […]

  9. […] Weller 27. August 2009 Ermutigt durch die Erkenntnisse des PROJEKTMANAGEMENT BLOG über die Gründe, warum Projekte scheitern, habe ich den Top-Grund unter die Lupe genommen. Mangelhafte Kommunikation ist also der Nährboden […]


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