Ist Projektmanagement wirklich soooo wichtig?
Fast jedes Projektmanagement Buch beginnt mit dieser (oder einer ähnlichen) Formulierung:
“Die Bedeutung von Projektmanagement hat in den letzten Jahren aufgrund der immer dynamischeren Umfeldbedingungen stark zugenommen. […]“
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die PM Experten, Autoren und “Fans” diese Entwicklung herbei reden möchten, dass die von der Wirtschaft da draußen wahrgenommene Wichtigkeit von Projektmanagement aber weitaus geringer ist (und teilweise eher sinkt).
Diese These sehe ich bestätigt, wenn man sich die Google-Suchstatistik des Begriffs “Projektmanagement” etwas genauer anschaut:
Aus den Ergebnissen leite ich folgende Fragen ab (auf die ich natürlich keine Antworten habe):
- Die Anzahl der Suchanfragen zum Stichwort “Projektmanagement” ist in den letzten Jahren kontinuierlich (und recht deutlich) zurück gegangen. –> Wie kann das sein, wenn Projektmanagement doch (anscheinend) immer wichtiger wird? Liegt’s an der Reiz- und Informationsüberflutung? Müssen sich Manager/innen mit so vielen Themen beschäftigen, dass für Projektmanagement keine Zeit mehr bleibt? Oder suchen sie nach anderen Begriffen (wie z.B. Zusammenarbeit) meinen aber eigentlich (auch) Projektmanagement?
- Gleichzeitig stieg die Anzahl der News-Meldungen fast im selben Ausmaß an. –> Wandelt sich der Anbieter- zu einem Käufermarkt? Steigt die Nutzung von Web 2.0 Anwendungen (wie z.B. Pressemeldungen per Internet) von PM Dienstleistern?
- Interessanterweise kommen die meisten Suchanfragen aus Österreich. –> Sind die Ösi in dem Thema weiter vorne? Oder weiter zurück? :-)
- Wie kann es sein, dass gerade Bern und Graz im Städtevergleich vorne liegen?
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Fragen über Fragen…
Aber zurück zum zentralen Punkt: Ist Projektmanagement nun für die Unternehmen da draußen wichtig? Oder doch nicht? Und wird Projektmanagement wichtiger? Oder doch unwichtiger?
Hier meine ganz persönliche Meinung dazu:
- Selbstverständlich werden kollaborative Arbeitsformen (wie Projekte) immer wichtiger! Alle Indikatoren deuten darauf hin. Denn komplexe Problemstellungen, die unter einem großen Zeitdruck gelöst werden müssen, können nur noch in “Hochleistungsteams” effektiv und effizient bearbeitet werden. Projektmanagement ist in diesem Zusammenhang eine wichtige (aber nicht die einzige) Arbeits- und Organisationsform, um die Zusammenarbeit von Experten entsprechend zu planen, zu steuern und zu koorinieren.
- Ich vermute, dass viele Manager/innen und Führungskräfte angesichts des steigenden Drucks, der steigenden Komplexität, der Informationsvielfalt und auch der Vielfalt an Managementmethoden und -techniken etwas den Überblick verloren haben. Oder anders ausgedrückt: Es ist eine hohe Kunst, in einer komplexen, dynamischen und sich ständig verändernden (Um-)Welt einfache Lösungen zu finden – insbesondere auch im Bereich der betrieblichen Organisation (wo ich Projektmanagement primär zuordnen würde). Die Konsequenz: Es bleibt Man nimmt sich keine Zeit, um das Projektmanagement wirklich nachhaltig auf gesunde Beine zu stellen (“Enterprise Project Management”). So wurschtelt man halt weiter dahin und akzeptiert, dass Projekte nicht rund laufen (und dass es auch nicht besser, sondern eher schlechter wird).
- Auf der anderen Seite haben die PM Dienstleister es wohl bislang auch noch nicht wirklich geschafft, den Unternehmen die ganzheitlichen Lösungen anzubieten, die innerhalb einer vertretbaren Zeit positive Wirkung zeigen. Oder anders ausgedrückt: Das PM Verständnis ist vielerorts noch viel zu technisch, zu theoretisch, zu abstrakt, zu kompliziert und verstaubt. Viele Berater, Coaches und Trainer legen noch immer die gleichen Folien auf wie vor 20 Jahren. Grauenhaft…
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Mein Fazit: Projektmanagement muss einfacher, offener, “cooler”, flexibler, schneller, integrativer und in Summe wirkungsvoller werden. Denn wir haben kein Wissens-Defizit, sondern maximal ein Umsetzungs- und Modernisierungsdefizit innerhalb der “PM Community”.
Nachtrag vom 10.7.2008:
Was eventuell für die These der Informations- und Reizüberflutung spricht: Auch zum Begriff “Management” gingen die Suchanfragen zurück.






Vielleicht suchen die Leute auch einfach nur nicht mehr nach “Projektmanagement” sondern nach anderen Begriffen. Wenn man den Long Tail betrachtet, sieht das Bild sicher ganz anders aus. Aber Begriffe wie “SCRUM” werden in Google Trends vermutlich nicht mal ausgewiesen. Google Trends – Analysen sind in der Regel sinnlos. Siehe auch: http://blog.seibert-media.net/2006/05/online-marketing/suchmaschinen-optimierung/google-trends-so-verlaengern-marketing-strategen-morgen-ihre-praesentationen/
Martin Seibert
11. Juli 2008 um 18:33
Eins ist klar: Der Weihnachtsurlaub wird von vielen ohne Projektmanagement-Methoden angegangen – soviel macht diese Statistik schonmal deutlich…
partikelfernsteuerung
12. Juli 2008 um 14:34
@Martin: Danke für Deinen Input!
Natürlich ist Google Trends primär als spielerisches Tool zu verstehen. So wollte ich die Google Trends Auswertungen auch bei diesem Eintrag verstanden wissen, nämlich als (etwas anderen) Aufhänger für einige Annahmen, die ich in diesem Zusammenhang vertrete.
Wie Ihr schon in Eurem Blog-Eintrag zu dem Thema hinweist, trifft Alexander Müller hiermit den Nagel so ziemlich auf den Kopf:
http://eeto.org/2006/05/off-topic/google-trends/
SH
13. Juli 2008 um 14:23
Na gibts denn sowas :D
Da scheint doch glatt das Wort “Prozessmanagement” schwer ins rollen zu kommen…
Muss immer wieder feststellen wie “cool” dieser Blog ist!
Danke für die Spielereien und Inspirationen ;)
Viele Grüsse
Bernd
Bernd
14. Juli 2008 um 12:18
[...] vermutet hinter den weniger werdenden Suchanfragen zum Projektmanagement die zunehmende Reiz- und Informationsüberflutung. Vielleicht verhält es [...]
Jahooda - Die Plattform für Projektmanagement und Prozessmanagement » Blog Archiv
3. November 2008 um 21:48